Nierenspende von Mutter an Sohn

Erfahrungsbericht 3

Am 9. Januar 2012 kam ich von meiner Arbeit abends nach Hause. Mein Mann empfing mich mit den Worten: „Setz Dich bitte, ich muss mit Dir reden. Thomas ist im Spital; etwas ist mit seiner Niere nicht in Ordnung.“ Ich hörte zu. Nachher griff ich zum Telefon, um mit Thomas zu telefonieren. Die Diagnose IgA Nephritis sagte mir nichts. Unser Sohn ist ein sportlicher junger Mann. War nie gross krank. Es war wie eine Ohrfeige!

Eine Woche später fand ein Gespräch mit dem behandelnden Arzt im Spital statt. Dabei fiel das Wort Transplantation. Mein Mann und ich stellten uns sofort zur Verfügung. Der Arzt meinte, wir sollten dies uns gut überlegen. Zu Hause angekommen, führten mein Mann und ich das Gespräch weiter. Was gibt es da zu überlegen? Wenn eine Transplantation die einzige Möglichkeit war unserem Sohn zu helfen, war es keine Frage mehr. Wir hielten an unserer Entscheidung fest. Wir meldeten uns bald wieder im Spital. Kurz darauf wurden mein Mann und ich aufgeboten eine Blutanalyse machen zu lassen, um den bestmöglichen Spender herauszufinden. Das Ergebnis war, dass ich die besseren Übereinstimmungen hatte als mein Mann.

Unser Sohn musste trotz Ernährungsumstellung an die Dialyse. Ein schwerer Eingriff in sein Leben. Seinen Beruf als Feuerwehrmann konnte er nun nicht mehr ausüben. Er war nun krank geschrieben. Während dieser Zeit lebte unser Sohn wieder bei uns zu Hause.

Nun fing die lange Wartezeit an, bis die endgültigen Ergebnisse vorlagen und ein abschliessender Entscheid gefällt werden konnte. Da war immer die Unsicherheit, dass es doch nicht klappen und alles wieder von vorne los gehen könnte. Während dieser Zeit fanden weitere Untersuchungen und Gespräche statt. Ich fühlte mich immer gut betreut und umsorgt vom Spitalpersonal. Trotzdem war ich froh, dass ich wärend dieser Zeit arbeitete. Das brachte mich auf andere Gedanken.

Ich habe mir keine Gedanken gemacht, dass etwas schief gehen könnte. Ich hatte so etwas wie Gottvertrauen. Es ist so wie Kindera gebären.

Dann endlich kam der Termin. Mitte Juni war es dann soweit. An einem Sonntagabend rückten wir beide ins Spital ein, um am Montagmorgen für die Operation bereit zu sein. Die Operation war ein voller Erfolg! Es ist ein Wunder! Mein Sohn kam auf die Intensivstation. Nach zwei Tagen durfte er auch die verlassen. Ich wurde von der Ärzten immer auf dem Laufenden gehalten. Dank der grundsätzlich guten Konstituition meines Sohnes kam er bald wieder auf die Beine. Mir ging es recht gut. Ich war froh das Spital wieder verlassen zu können und mich zu Hause zu erholen. Mein Mann hat mir dabei sehr geholfen.

Heute nach fünfeinhalb Jahren geht es mir und meinem Sohn gut. Er arbeitet sogar wieder in seinem angestammten Beruf.

In meinem Leben hat es immer wieder Rückschläge gegeben und ich bin gewohnt, sie zu meistern und das Beste daraus zu machen. Grundsätzlich bin ich ein positiv eingestellter Mensch. Nie habe ich nach dem „Warum“ gefragt und nie habe ich gegoogelt. Ich war überzeugt, das Richtige zu tun. Für mich war es wie eine zweite Geburt und mein Sohn sagt, dies sei sein zweiter Geburtstag.

Doris A.
Im Februar 2018