Quelle: 4. Auflage der Schweizer Lebendspenderbroschüre (2015).

Kapitel 6. Nierenentnahme bei Lebendnierenspendern für die Transplantation

6.1 Planung der Operation

Ein Lebendnierenspender hat keinen persönlichen Vorteil durch den Eingriff, lässt sich jedoch auf diese Operation ein, um einer kranken Person zu helfen. Dieser Eingriff kann nur durchgeführt werden, wenn die Gesundheit des Spenders langfristig nicht gefährdet ist. In der Regel bestehen gewisse Ängste und Bedenken beim möglichen Spender und bei seinen Angehörigen bezüglich der Risiken und Komplikationen dieses Eingriffs. Dies ist eine normale und natürliche Reaktion vor grösseren Eingriffen. Das Transplantationsteam inklusive Koordinatoren und Chirurgen ist jederzeit bereit, mit den potenziellen Spendern offen über ihre Bedenken und Ängste zu sprechen.

Ziel der Spenderabklärung ist es primär, sich zu versichern, dass der Spender fit und in sehr gutem Gesundheitszustand ist. Zudem wird im Rahmen der Abklärung entschieden, welche Niere (links oder rechts) zur Spende entnommen wird. Ob die linke oder die rechte Niere entnommen wird, hängt von der vorgängigen radiologischen Untersuchung ab, welche die anatomischen Verhältnisse mit Lage, Vorliegen allfälliger Zysten, Anzahl der Blutgefässe (Arterien und Venen) und Harnleiter darstellt, sowie von funktionellen Tests. In 65% der Lebendnierenspenden wird die linke Niere entnommen. Sie wird bevorzugt, da die Nierenvene links länger ist als rechts und somit die Transplantation (Implantation) beim Empfänger einfacher ist.

Abbildung 1: Anatomische Situation der Nieren und Nebennieren.

Abbildung 1: Anatomische Situation der Nieren und Nebennieren.

In der Abbildung 1 können Sie die Nebennieren sehen, welche im Bereich des Fettgewebes am Oberpol der Nieren liegen. Die Nebennieren haben keinen direkten Kontakt zu den Nieren und werden beim Spender belassen und produzieren weiterhin Hormone wie Cortisol und Adrenalin.

 

6.2 Ablauf des operativen Eingriffs

Eine Nierenentnahme für eine Lebendspende bedingt eine Vollnarkose. Ein Narkosearzt wird den Spender über die Narkosetechnik und die postoperative medikamentöse Therapie, insbesondere Schmerztherapie, aufklären.

In den späten 1990er-Jahren haben die minimalinvasiven chirurgischen Techniken (Laparoskopie, Retroperitoneoskopie) die offene Spendernephrektomie als Standardtechnik in allen Zentren der Schweiz abgelöst. Diese Techniken werden bevorzugt, da die Narben kleiner, Schmerzen und abdominelle Beschwerden deutlich geringer sind und zu einer rascheren Erholung und Wiederaufnahme der normalen täglichen Aktivität führen.

Details bezüglich der genauen chirurgischen Technik (Verlauf des Schnitts und Technik der Nierenentnahme etc.) sind bei jedem Spender leicht unterschiedlich und werden je nach Fall vom Chirurgen erklärt. Ein chirurgischer Eingriff gilt als minimalinvasiv, wenn der Chirurg einzig durch kleine (0,5-1,2 cm grosse) Inzisionen (Einschnitte) operiert, welche für die Einlage der kleinen Instrumente gemacht werden. Der grösste Schnitt (ca. 8-10 cm) ist notwendig, um die Niere aus dem Körper zu entnehmen. Wenn es chirurgisch möglich ist, wird für die Entnahme eine schon bestehende Narbe verwendet. Je nach chirurgischer Technik, Anatomie der Niere und medizinischer Vorgeschichte des Spenders (z.B. stattgefundene abdominelle Eingriffe) kann die Operation zwischen 2 bis 5 Stunden dauern.

In wenigen Fällen kann es notwendig werden, dass auf eine offene Operation gewechselt werden muss, z.B. wenn während des laparoskopischen Eingriffs eine Komplikation entsteht und so auf eine offene chirurgische Fortführung der Operation umgestellt werden muss. Zudem ist es möglich, dass aufgrund eines operativen Eingriffs in der Vorgeschichte des Spenders oder aber bei schwierigen anatomischen Verhältnissen der Gefässe kein laparoskopischer Eingriff möglich ist. Falls dies der Fall sein sollte, wird der Chirurg dies mit dem Spender im Rahmen der Spenderabklärung diskutieren.