Quelle: 4. Auflage der Schweizer Lebendspenderbroschüre (2015).

Kapitel 2. Generelle Aspekte der Lebendnierenspende

2.1 Wer eignet sich als Lebendspender?

Im Juli 2007 wurde im Schweizerischen Transplantationsgesetz definiert, wer sich als Lebendspender eignet.

Der Spender muss älter als 18 Jahre sein. Für die Lebendnierenspende gibt es keine obere Altersgrenze: Ob man für eine Spende geeignet ist, hängt von medizinischen Faktoren ab, die im Rahmen eines kompletten medizinischen Check-ups inklusive kardiovaskulärer und pulmonaler Untersuchungen abgeklärt werden. Die bisher älteste Spenderin in der Schweiz war fast 80-jährig. Sie hat ihrer Tochter, die an Diabetes litt, eine Niere gespendet.

Die Beziehung zwischen Spender und Empfänger kann entweder blutsverwandt, stark emotional gebunden (Ehemann, Ehefrau, enge Freunde) oder altruistisch sein.

Ein altruistischer Spender hat keine Verbindung zum Empfänger. Er spendet einzig aus altruistischem Gedanken, einem Nierenkranken zu helfen. Bei diesen Personen werden die gleichen medizinischen Abklärungen wie bei allen anderen Spendern durchgeführt, wobei die Motivation zur Spende besonders fokussiert wird. Altruistische Spenden werden seit 2003 in der Schweiz durchgeführt.

Blutgruppen-Inkompatibilität (ABO), das heisst mangelnde Verträglichkeit zwischen einem Lebendnierenspender und einem Empfänger, ist heute kein Hinderungsgrund und zeigt ein gleich gutes Langzeittransplantatüberleben im Vergleich zu blutgruppenidentischen (kompatiblen) Nierentransplantationen. Jedoch ist die präoperative Therapie im Vergleich zu einer blutgruppenkompatiblen (blutgruppenverträglichen) Transplantation komplizierter. Einzelheiten zu diesem Thema finden sie im Kapitel 7.4.

Gemäss dem Schweizerischen Transplantationsgesetz ist es Spendern verboten, für die Spende Geld zu verlangen oder finanziell unterstützt zu werden. Ebenso ist es den Organempfängern verboten, einen Lebendnierenspender im Ausland für die Spende zu bezahlen (Transplantationstourismus).

Eine sogenannte «Crossover Transplantation» zwischen zwei oder mehreren inkompatiblen Spenderpaaren ist innerhalb der Schweiz erlaubt und wurde 1999 erstmals in unserem Land durchgeführt. Dies bedingt eine Identifizierung von entsprechenden möglichen Empfänger/Spender-Paaren in der Schweiz, die sich in einer ähnlichen Situation befinden. So kann zum Beispiel der Spender des ersten Paares seine Niere dem Empfänger des zweiten Paares spenden und der Spender des zweiten Paares spendet seine Niere dem Empfänger des ersten Paares. Dies kann die Chance für ein klinisch erfolgreiches Ergebnis bei beiden Empfängern erhöhen. Ihr betreuender Nephrologe wird Ihnen dieses Vorgehen genau erklären, falls diese Möglichkeit für Sie infrage kommt.

 

2.2 Abklärungen und Beurteilungen vor Lebendnierenspenden

Hauptziel der Abklärungen vor Nierenspenden ist es, zu verhindern, dass dem Lebendnierenspender durch die Spende ein Schaden zugefügt wird. Insbesondere gilt es, zu verhindern, dass ein Spender später im Leben selbst auf ein Nierenersatzverfahren angewiesen ist. Daher werden nur Spenderinnen und Spender in sehr gutem Gesundheitszustand zur Spende zugelassen. Personen mit einer arteriellen Hypertonie (Bluthochdruck), welche medikamentös gut kontrolliert sind und dabei keine Hinweise für eine relevante blutdruckbedingte Schädigung des Herzens oder der Nieren zeigen, können zur Nierenspende zugelassen werden. Diese Spender müssen nach Spende sorgfältig nachkontrolliert werden, da sie durch den Bluthochdruck ein erhöhtes Risiko tragen, nach Spende einen erhöhten Eiweissverlust (Proteinurie) der Niere oder einen Schaden der verbleibenden Niere zu entwickeln. Personen mit Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit), eingeschränkter Nierenfunktion, kürzlich diagnostiziertem Karzinom oder solche, die als psychisch instabil beurteilt werden, werden in der Regel nicht zur Spende zugelassen.

Wie ein möglicher Nierenspender abgeklärt wird, ist im Kapitel 7 detailliert beschrieben.