Quelle: 4. Auflage der Schweizer Lebendspenderbroschüre (2015).

Kapitel 9. Finanzielle Aspekte der Lebendspende

Wenn jemand in der Schweiz eine Niere spendet, muss die Versicherung des Spenders keine der damit verbundenen Kosten tragen. Das ist im Transplantationsgesetz (2007, Artikel 6 und 14) geregelt. Es legt fest, dass der Spender finanziell weder einen Verlust noch einen Gewinn haben darf.

Es ist gesetzlich vorgeschrieben, dass alle mit der Spende verbundenen Kosten von der Krankenversicherung des Empfängers übernommen werden müssen. Wenn jemand eine Niere spenden möchte, muss zuerst die Versicherung des Empfängers informiert werden, selbst wenn nicht sicher ist, ob die Spende stattfinden wird.

Trotz der genauen gesetzlichen Regelung gibt es manchmal Probleme oder Sonderfälle. Die Transplantationszentren können bei diesen wichtigen Fragen Beratung und Unterstützung anbieten.

 

Die wichtigsten Punkte

  • Für alles, was mit der Spende zu tun hat, wird die Krankenversicherung des Spenders nicht belastet.

  • Der Spender kann für Reisekosten und Lohnausfall entschädigt werden, darf aber keinen Gewinn von der Spende haben

  • Obwohl es einem vielleicht seltsam vorkommt, sollten finanzielle Fragen früh angesprochen werden.

 

9.1 Welche Kosten übernimmt die Versicherung des Nieren­ empfängers?

Wenn die Versicherung des Empfängers Mitglied des SVK (Schweizerischer Verband für Gemeinschaftsaufgaben der Krankenversicherer) ist, finden Sie eine Zusammenfassung auf deren Internetseite.

 

Nachfolgende Kosten werden übernommen:

Während der Voruntersuchungen für eine mögliche Spende:

  • √ Alle ambulanten und stationären Rechnungen werden übernommen.

  • ? Entschädigungen für Reisekosten oder Lohnausfall während der Voruntersuchungen müssen individuell mit der Versicherung des Empfängers abgesprochen werden.

Während der Hospitalisation für eine Spende:

  • √ Spitalkosten werden übernommen.

  • √ Lohnausfall wird übernommen.

  • √ Reisekosten werden übernommen.

 

Nach der Spende:

  • √ Die Kosten für die postoperativen Kontrollen in der Transplantationsklinik werden übernommen.

  • √ Die langfristigen Nachkontrollen erfolgen durch das Schweizerische Lebendspender-Gesundheitsregister SOL-DHR (vgl. Kapitel 8) und werden übernommen.

 

Achtung:

Zusätzliche Untersuchungen, die mit anderen Gesundheitsproblemen im Zusammenhang stehen (z.B. Blutzucker oder Cholesterin) und nichts mit der Nierenspende zu tun haben, werden nicht übernommen. Es werden nur die Nachkontrollen bezahlt, die durch das Lebendspenderregister organisiert werden.

 

  • ?  Entschädigungen für Reisekosten oder Lohnausfall bei kurzfristigen Nachbehandlungen nach Operation müssen individuell mit der Versicherung des Empfängers abgesprochen werden.

  • √ Der Lohnausfall während der Krankschreibung nach der Spende wird übernommen (s. unten).

  • ?  Falls nach der Hospitalisation zeitweise eine Haushaltshilfe benötigt wird, muss das individuell mit der Versicherung des Empfängers abgesprochen werden.

 

9.2 Wo kann es finanzielle Probleme geben?

Bei den Nachbehandlungen kurz nach der Operation gibt es normalerweise keine Probleme, wenn diese in der Transplantationsklinik stattfinden. Die Rechnungen werden dann direkt an die Krankenversicherung des Empfängers geschickt. Wenn diese Nachbehandlungen woanders stattfinden sollen (z.B. beim Hausarzt), muss die Verrechnung vorgängig mit dem Hausarzt, dem Transplantationszentrum und der Versicherung des Empfängers besprochen werden.

Die langfristigen Nachkontrollen durch das Lebendspenderregister erfolgen 1, 3, 5, 7 und 10 Jahre nach Spende, danach lebenslang alle 2 Jahre.

Falls mit der Versicherung des Empfängers eine Erstattung von Reisekosten vereinbart wurde, ist es wichtig, zu klären, wie diese erfolgt: Viele Versicherungen zahlen dieses Geld an den Empfänger aus, der es dann an den Spender weiterleiten muss.

 

9.3 Wie erfolgt die Entschädigung für den Lohnausfall?

Die Entschädigung für den Lohnausfall erfolgt normalerweise, wenn der gesamte Prozess der Nierenspende abgeschlossen ist, das heisst, wenn entweder die Spende stattgefunden hat oder die Abklärungen ergeben haben, dass eine Spende nicht möglich ist. Für die Versicherung ist ein offizielles Dokument (z.B. ein Arztbericht) unbedingt notwendig, um eine Auszahlung zu veranlassen.

Angestellte müssen sich bewusst sein, dass die meisten Arbeitgeber den Wunsch einer Nierenspende unterstützen, aber nicht verpflichtet sind, den Angestellten dafür freizustellen. Es ist daher wichtig, sobald die Möglichkeit einer Nierenspende konkret wird (oder spätestens wenn die Entscheidung gefallen ist), dies mit dem Arbeitgeber zu besprechen. Es gibt dann zwei Möglichkeiten:

  1. Der Arbeitgeber unterstützt die Spende und stellt den Angestellten dafür frei. Er leistet die Lohnfortzahlung wie bei einer Krankheit. In diesem Fall bekommt er seine Kosten von der Versicherung des Empfängers (Lohn und Lohnnebenkosten) vollständig rückerstattet.

  2. Der Arbeitgeber stellt seinen Angestellten für die Spende nicht frei. In diesem Fall muss der Angestellte unbezahlten Urlaub nehmen. Das dadurch entgangene Gehalt erhält der Spender direkt von der Versicherung des Empfängers zurück.

 

Bei Selbstständigen wird der Verdienstausfall auf Basis der letzten Steuererklärung berechnet, unabhängig von eventuell bestehenden Versicherungen gegen Arbeitsunfähigkeit. Wenn die Krankenversicherung des Empfängers Mitglied im SVK ist, kann man von deren Internetseite ein entsprechendes Formular herunterladen. Anderenfalls wird die Versicherung des Empfängers ein entsprechendes Formular und eine Liste benötigter Unterlagen bereitstellen.

Auch bei der Spende an einen Empfänger, der unter 18 Jahre alt ist und bei dem die Transplantation von der Invalidenversicherung (IV) bezahlt wird, ist eine Entschädigung für den Lohnausfall des Spenders garantiert.

 

9.4 Was passiert, wenn der Spender aus dem Ausland kommt?

Wenn ein möglicher Spender aus dem Ausland kommt, sind die Reisekosten beim ersten Gespräch ein Thema. In diesem Fall ist es äusserst wichtig, diese Frage mit der Versicherung des Empfängers zu klären, bevor eine Reise gebucht wird. Insbesondere sollte genau besprochen werden, wie oft der Spender für die notwendigen Untersuchungen anreisen muss und wie hoch die anfallenden Kosten dafür werden.

Da nicht alle Versicherungen in der Schweiz bereit sind, Überweisungen ins Ausland vorzunehmen, wird die Entschädigung für Reisekosten oft an den Empfänger überwiesen, der sie dann an den Spender weiterleiten muss.

 

9.5 Was passiert im Fall von Komplikationen?

Kosten durch Komplikationen, die kurz nach Spende auftreten und damit klar im Zusammenhang mit der Spende stehen (z.B. ein Spitalaufenthalt bei einem Infekt der Operationswunde), werden von der Versicherung des Empfängers getragen.

Im Fall von Langzeitkomplikationen, die nicht eindeutig auf die Spende zurückzuführen sind wie z.B. ein nach vielen Jahren auftretender Bluthochdruck (den der Spender vielleicht auch unabhängig von der Spende entwickelt hätte), wird die Behandlung ganz normal über die Versicherung des Spenders bezahlt. Falls der Spender aus einem Land kommt, in dem er keine oder nur eine limitierte Krankenversicherung hat, sollte daher bereits vor einer Spende besprochen werden, wie die langfristige Gesundheitsversorgung sichergestellt werden kann.

 

9.6 Kann man als Nierenspender eine neue Versicherung ab­ schliessen?

Nierenspender sollten beim Abschluss einer neuen Versicherung (Kranken- Zusatz- oder Lebensversicherung) nach der Spende nicht benachteiligt werden: Die Nierenspende ist kein Grund, von Versicherungen abgelehnt zu werden oder höhere Prämien einzufordern. Dennoch kommt es dabei immer wieder zu schwierigen Diskussionen. Es ist deshalb empfehlenswert, neue Versicherungen noch vor der Spende abzuschliessen.

Insgesamt sind finanzielle Fragen meist kein grosses Problem bei der Lebendspende, können aber zu zusätzlichem Stress führen, wenn sie nicht frühzeitig geklärt werden. Wir empfehlen deshalb, diese Fragen rechtzeitig und vor der Spende anzusprechen und mithilfe von Transplantationszentrum und SOLV-LN möglichst genau zu klären.