Quelle: 4. Auflage der Schweizer Lebendspenderbroschüre (2015).

Kapitel 5. Kurz- und langfristige Ergebnisse bei den Empfängern

Über 95% der Lebendnierentransplantationen sind erfolgreich. Trotzdem ist es möglich, dass eine transplantierte Niere nicht funktioniert und wieder entfernt werden muss. Die Vorteile einer Lebendnierenspende überwiegen jedoch und sind wie folgt:

Bessere kurzzeitige Ergebnisse nach Transplantation aufgrund folgender Gegebenheiten:

1) Ein gesünderer Empfänger zum Zeitpunkt der Transplantation

Während der Wartezeit auf ein Spenderorgan eines Verstorbenen besteht das Risiko, dass sich die Gesundheit des Organempfängers während dieser Zeit verschlechtert und so der Erfolg der Transplantation negativ beeinflusst wird. In seltenen Fällen kann es sogar dazu führen, dass der Gesundheitszustand des Organempfängers es nicht mehr zulässt, einen operativen Eingriff wie die Transplantation durchführen zu können. Eine Lebendnierentransplantation kann dieses Risiko verhindern. Der Eingriff kann sorgfältig geplant und unter optimalen Bedingungen erfolgen. Dies führt zu einer deutlich kürzeren Wartezeit, und es besteht zudem die Möglichkeit, dass eine präemptive (vorbeugend) Transplantation vor dem terminalen Nierenversagen und vor dem Beginn einer Dialyse erfolgen kann.

2) Eine bessere Organqualität der transplantierten Niere

Für diese bessere Organqualität gibt es zwei Gründe: Erstens, die Niere stammt von einem sorgfältig ausgewählten gesunden Spender. Zweitens, die Zeit zwischen Entnahme der Niere beim Organspender und Transplantation beim Organempfänger ist kürzer, verglichen mit der Dauer der Transplantation bei Organen von verstorbenen Spendern. Diese sogenannte «kalte Ischämiezeit» führt dazu, dass Organe von Lebendnierenspendern häufig unmittelbar nach der Transplantation zu funktionieren beginnen, wohingegen bei Organen von verstorbenen Spendern die Nieren zum Teil mit einer gewissen Verzögerung von einigen Tagen bis sogar Wochen zu arbeiten beginnen.

3) Eine raschere Erholung des Empfängers

Da Spenderorgane von Lebendnierenspendern wie oben genannt unmittelbar nach der Transplantation funktionieren, kommt es meist zu ei- ner raschen Erholung des Empfängers sowie zu einer deutlichen Verkürzung des Spitalaufenthalts. Trotzdem bestehen in den ersten Monaten nach Transplantation auch bei Empfängern von Lebendnierenspendern die gleichen Risiken wie bei Organempfängern von verstorbenen Spendern. Insbesondere sind die Risiken für Infektionen und Abstossungsreaktionen des Organs die gleichen.

Bessere Langzeitergebnisse aufgrund:

1) Längeren Transplantatüberlebens

In den ersten beiden Jahren nach Transplantation ist die Nierenfunktion sowohl von Lebendnierenspendern als auch von toten Spendern meist gut. Längerfristig funktionieren die Nieren von Lebendnierenspendern jedoch meist länger als die von verstorbenen Spendern.

2) Längerer Lebenserwartung

Verglichen mit dem Verbleib an der Dialyse (Hämodialyse, Peritonealdialyse) verdoppelt die Nierentransplantation die Lebenserwartung. Dies ist hauptsächlich durch die deutliche Reduktion des kardiovaskulären Risikos bedingt, die durch eine Niereninsuffizienz verursacht wird. Eine frühzeitige Lebendnierentransplantation zu einem optimalen Zeitpunkt – sehr häufig präemptiv (ohne vorherige Dialyse) – hat daher einen sehr positiven Einfluss auf den Gesundheitszustand des Empfängers und seine Lebenserwartung.