Bericht eines spendenden Ehemannes an seine Ehefrau

Erfahrungsbericht 4

 

Um es vorwegzunehmen: ich würde sicher nochmals zustimmen, meiner Frau eine Niere zu spenden! Es überwiegt – nun sind es 1,5 Jahre nach der Transplantation – täglich der dankbare Eindruck: die Transplantation verlief erfolgreich, es sind keine Komplikationen aufgetreten, die Lebensqualität ohne Dialyse ist sehr gut, obwohl die permanente immunsuppressive Behandlung (bei der Empfängerin) auch nicht nebenwirkungsfrei ist. Ich empfinde es als Privileg, dass aufgrund der persönlichen Konstellation (zwei gesunde Nieren, günstige Blutgruppenkonstellation) eine Spende grundsätzlich möglich war, und dass wir in einem Land leben mit der nötigen hohen Fachkompetenz und nicht zuletzt einem Versicherungssystem, das die Kosten trägt.

Es war für mich nie eine Frage, meiner Frau, die aufgrund einer vererbten polyzystischen Nierenkrankheit eine Niereninsuffizienz entwickelte, eine Niere zu spenden. Nebenbei: mit den Ausdruck „Spende“, der sachlich und versicherungstechnisch zutrifft, hatte ich eher etwas Mühe. „Spende“ tönt nach grosszügig, lobenswert – wie eine „Spende“ an das IKRK oder Médecins sans Frontières – die verdankt wird und eventuell ein gutes Gefühl gibt. Ich habe diesen Schritt wirklich als selbstverständlich empfunden. Eine transplantierte Niere macht nicht nur die Dialyse überflüssig – das ist das offensichtlichste, sie korrigiert auch die komplexen Vorgänge für die Blutbildung und den Calcium-(Knochen)-Stoffwechsel. Eine Niere – die beim Spender verbleibende – passt sich an die Situation an, kann aber nicht die Leistung von zwei Nieren erbringen.

Trotz dieser Überzeugung waren für mich die Vorabklärungen sehr belastend, ich hatte einfach Angst, dass der Wunsch nach Transplantation (und damit Verzicht auf Dialyse) schliesslich nicht klappen würde – so waren die ca. vier Monate der Abklärungen (zuerst bei meiner Frau, ob sie die Kriterien für eine Transplantation erfülle, und anschliessend bei mir, ob ich als Spender akzeptiert werde) eine stressige Zeit. Der positive Entscheid „Als Spender akzeptiert“ war eine grosse Erleichterung. Die Zeit der Hospitalisation habe ich, haben wir beide in guter Erinnerung – wir waren in jeder Hinsicht (medizinisch, pflegerisch etc.) sehr gut aufgehoben – auch die Betreuung und Information durch das Team der Transplantationssprechstunde war sehr gut. Wir sind sehr dankbar über den bisher so günstig Verlauf – es war die richtige Entscheidung, die beste aller möglichen Alternativen.

Eugen Boltshauser