Dank der Nierenspende seines Bruders geht es Thomas wieder viel besser

Erfahrungsbericht 5

 

Organspende, Transplantation? Begriffe, mit denen sich die Familie S. nicht auseinandergesetzt hatte, bis Thomas 20 war und ein akutes Nierenversagen diagnostiziert wurde. Er musste sein Leben komplett umstellen. 19 Jahre lang ging er drei Mal die Woche zur Blutwäsche auf die Dialyseabteilung des Kantonsspitals Winterthur. Anfänglich morgens ab 8.00 Uhr, seit fünf Jahren abends um 18.00 Uhr, was seiner Berufstätigkeit entgegen kam.

So konnte er seine 60 Prozent-Anstellung auf 90 Prozent ausbauen, eine Ausnahme unter Dialyse-Patienten, denn viele sind arbeitsunfähig. Neben dem Beruf gab es auch im Privat- und Alltagsleben Einschränkungen. Mit der Zeit ging es Thomas immer schlechter: «Fast jedes Jahr war ich mal für eine Operation im Spital». Auf der Warteliste für eine Spenderniere stand er schon von Anfang an. Nach einem halben Jahr Wartezeit erhielt er eine erste Niere, die jedoch nach drei Jahren wieder abgestossen wurde.

Die Lebendspende wurde in der Familie diskutiert. Zwei seiner drei Brüder kamen als Spender aus medizinischen Gründen nicht in Frage. Sein Bruder M. liess die ersten Abklärungen im Spital ohne Wissen seines Bruders durchführen, um nicht nochmals für eine grosse Enttäuschung zu sorgen. Die medizinische Untersuchung ergab eine grosse Übereinstimmung bei den Blut- und Nierenwerten, so dass einer Transplantation nichts mehr im Wege stand. M. hatte keine Bedenken ob der Risiken einer Spende.

Die fünfstündige Operation fand im Januar 2003 statt und verlief erfolgreich. «Mir ist es super gegangen», erinnert sich der Spender an die gemeinsamen Tage mit seinem Bruder im Zweierzimmer. Bereits am zweiten Tag konnte er aufstehen, nach sechs Tagen nach Hause gehen. Heute spüre er keinen Unterschied zu früher.

Er muss nur einmal jährlich zur Nachkontrolle. Das Leben von Thomas hat sich seit der Operation komplett geändert. «Seit 20 Jahren fühle ich mich das erste Mal wieder gesund, der Zuwachs an Lebensqualität ist gewaltig». Keine Dialyse mehr, dafür nimmt er täglich Medikamente gegen die Abstossung der Niere. Hat sich durch die Spende etwas im Verhältnis der beiden Brüder geändert? Beide verneinen. Der Zusammenhalt in der Familie sei schon immer gross gewesen.

Quelle: Informationsbroschüre für die Lebendnierenspende, Seite 19.
Herausgeber: Universitätspital Zürich